Pailletten: die leonische Industrie
An riesigen Spulen schillern bunte Metallfäden, goldene Borten und glitzernde Pailletten zeugen von einer Welt in Glanz und Glitter. Gleichzeitig versetzen rustikale Webstühle, Häkelmaschinen und Werkbänke in die Zeit der Industrialisierung zurück. Das Fabrikmuseum im mittelfränkischen Roth hat eine typisch leonische Fabrikhalle aus der Zeit um 1920 rekonstruiert, in der Besucher unter anderem an laufenden Maschinen die Produktion leonischer Waren verfolgen können.
Feine Gold- und Silberdrähte, versilberte und vergoldete Kupferdrähte, goldfarben vermessingte Kupferdrähte sowie daraus hergestellte Produkte wie Flitter (Pailletten), Gespinste, Borten oder Tressen heißen leonische Waren. Sie schmücken beispielsweise Festgewänder, Uniformen und Hochzeitskleider. Kunstvoll gewebte Brokatstoffe und Borten sind nicht nur im Vatikan beliebt, sondern auch in weiten Teilen der islamischen Welt. Auch die aktuelle Damenmode setzt auf verspielt feminine Applikationen wie Pailletten oder Borten. Moderne Designer machen sich an Kleidern, Schmuck- und Wohnaccessoires „leonische“ Effekte zunutze. Nicht zuletzt sind die Waren allweihnachtlich in Form von Lametta oder Goldgirlanden präsent.

Als der Hugenotte Anthoni Fournier aus dem französichen Lyon – die Stadt ist Namensgeber der anfangs lyonischen, später leonischen Waren – nach Deutschland flüchtete, legte er mit der Eröffnung seiner Nürnberger Werkstatt 1569 den Grundpfeiler für die Verbreitung der leonischen Industrie in Mittelfranken. Die Kunst vom Drahtziehen, vom Versilbern und Vergolden, vom Plätten und der Gespinstherstellung gelangte vor allem im 19. Jahrhundert im Raum Nürnberg/Roth zu hoher Blüte.
Das Fabrikmuseum ist von März (Frühlingsanfang) bis Ende Oktober am Wochenende zu besichtigen. Die genauen Öffnungszeiten, Adresse und Anfahrtsskizze finden Sie unter http://www.fabrik-museum.de.